Hier also nun das letzte meiner Laos-Kapitel. In diesem möchte euch kurz die wunderschöne laotische Sprache vorstellen und einige schöne Beispiele geben. Dafür benutze ich allerdings eine Umschreibung mit lateinischen Buchstaben, denn die laotische Schrift ist wahrscheinlich von indischen Brahmanen entwickelt wurden und benutzt vier dargestellte Ebenen in einer Zeile, also nicht unbedingt einfach und schon gar nicht in einer Textmail darstellbar.
Zusätzlich schwierig ist sicherlich, dass keine Satzzeichen und Leerzeichen zwischen den Wörtern verwendet werden, und alles aneinander gereiht wird. Wer die laotischen Zeichen mal sehen möchte, der kann sich auf der Homepage des Unicode Projektes die pdf-Datei aller 64 laotischen Zeichen downloaden und ansehen (unter Menüpunkt: Search my Character, oder so). Zum Glück wird fast jedes Schild in Laos sowohl in laotisch als auch in englisch geschrieben.
Die Sprache an sich ist, wie gesagt, recht einfach. Laotisch ist eine Silbensprache. Jede Silbe hat eine Bedeutung und mehrer Silben werden zu neuen Bedeutungen zusammengesetzt. Dies wird beim ersten Beispiel schnell klar. In den Beispielen bedeutet immer l - Lautschrift der laotischen Silben mit unseren Buchstaben, w - wörtliche Übersetzung der Silben in die deutsche Sprache und d - inhaltliche Übersetzung.
Hier nun also das erste Beispiel:
l: küüang-at-siang
w: Gerät-einschließen-Laut
d: Tonbandgerät
Fantastisch oder? Und das war eigendlich schon fast alles. Im Laotischen gibt es keine Beugung, kein grammatikalisches Geschlecht und all die anderen Schwierigkeiten. Silben werden einfach miteinander kombiniert. Die Bedeutung der neuen Kombination ergibt sich aus den Teilsilben, wobei die allgemeinste Silbe links und die einschränkenden Silben weiter rechts stehen, also nicht w: Tier Garten, sondern w: Garten Tier für d: Zoo. Die Sprache ist also fast ontologisch fundiert zu nennen
So ergibt die Kombination der Silbe für “Gebäude” mit den Silben für “nächtigen”, “Arzt” und “Post” die Bedeutungen “Hotel”, “Krankenhaus” und “Postamt”. Ganz einfach.
Hier ein paar interesannte Beispiele, wie sie vielleicht nur in Asien vorkommen:
l: sabai dii
w: Gesund gut
d: Guten Morgen/Tag/Abend! Auf Wiedersehen!
l: khoo tot
w: Erbitten Strafe
d: Verzeihung!
l: khoop tjai
w: Antworten Seele
d: Danke!
l: sii faa / sii namtaan
w: Farbe Himmel / Farbe Zucker
d: blau / braun
l: nak dontii / nak hiian / nak khon
w: Person Musik / Person lernen / Person untersuchen
d: Musiker / Schüler / Forscher
Aber die Laoten werfen sich natürlich im Gespräch nicht einfach so die Wörter zu. Wie in jeder Sprache kann man in laotisch Fragen, befehlen… . Ersteres erreicht man entweder durch ein Fragewort (z.B. njang = welche/r), oder durch die Fragesilbe boo.
l: maa laao don lääo boo
w: Herbewegen Laos lange schon ?
d: Sind sie schon lange in Laos?
Genau so einfache Lösungen existieren für Bitten, Aufforderungen, Substantivierungen und diverse andere Anforderungen. Alles auf Basis von einfachen Silben. Somit ist das Erlernen der Sprache total einfach. Sogar so einfach, das jemand sprachlich recht untalentiertes wie ich, schon in drei Wochen recht weit kommen kann. Warum machen wir laotisch nicht zur Weltsprache?
So, dies war nun das letzte Kapitel meiner Reise. In 4 Stunden werde ich in den Zug nach Bangkok steigen, von da nach Dubai und dann nach Duesseldorf fliegen. Dort werde ich in drei Tagen dann ankommen. Ich freue mich schon darauf, dem einen oder anderen die Bilder aus Laos zu zeigen und danke allen, die mir geschrieben haben. Falls ich noch nicht auf eine eMail geantwortet habe, mache ich dies in Deutschland.
Bis dahin alles Gute



