Es lebe das Copyright! Auf zu striktem DRM!

11.March 2004 - 04:31

Nachdem vor zwei Tagen die EU Richtlinie über die Maßnahmen und Verfahren zum Schutz der Rechte an geistigem Eigentum vom Europaparlament verabschiedet wurde, und mich das Thema spätestens seit der “Ende des Internet”-Serie in der Telepolis sehr beschäftigt hat, hier ein kurze Ideenskizze zu diesem Thema.

Amerikanisches Vorbild obiger Richtlinie ist der Digital Millennium Copyright Act (DMCA). Dieser ist heftig umstritten, nicht nur weil seine Verfechter (WTO, WIPO, …) als undemokratisch angesehen werden, da sie sich zu sehr in politische Entscheidungsprozesse einmischen.

Auch bei der Entscheidung über die EU Richtlinie gab es natürlich Lobbyismus und Einmischung und wahrscheinlich werden die Daumenschrauben in den nächsten Jahren immer weiter angezogen werden. Dies lässt sich höchstwahrscheinlich auch nicht verhindern, da der Entscheidungsprozess viel zu stark kontrolliert und beeinflusst wird.

Das klingt jetzt natürlich erstmal sehr pessimistisch und negativ und wahrscheinlich kommt es sowieso viel schlimmer :-) . Am Ende steht also eine Eskalation, weil die Zustände für die Allgemeinheit nicht mehr tragbar geworden sind. Doch wie wird diese Eskalation aussehen? Eine blutige Revolution bei der sich die Menschen gewalttätig Zugang zu geschützten Wissen und Daten verschaffen?

Dazu sollte es wahscheinlich nicht kommen. Schon weil auch andere Daumenschrauben bis dahin sehr eng anliegen werden. Ein mögliches Szenario eines strikt angewendeten Digital Rights/Restriction Managements (DRM) wäre eine Abkehr der Konsumenten, eine breite Nutzung von Open Source und ein allgemeiner Wechsel im Ansehen dieses Konzeptes.

Das klingt auf dem ersten Blick erstmal ziemlich an den Haaren herbeigezogen, aber überlegen wir mal: Wenn wir jedes Programm wirklich kaufen müssten, was wir benutzen, wenn wir jede Musikstück wirklich kaufen müssten, welches wir hören, wenn wir für jeden Newsfeed, für jede TV Sendung und für jede Internet-Site per Micropayment berappt werden, wird dann nicht ein kostenloser Anbieter sofort begeistert aufgenommen werden?

Klar, was nichts kostet ist billig und wer will schon qualitativ minderwertige Medien konsumieren oder schlechte Programme nutzen? Sicher niemand. Aber gibt es diesen qualitativen Unterschied wirklich? Wird uns das nicht nur eingeredet? Ist dieser neue Kino-Film wirklich so toll, dass er unbedingt von jedem gesehen werden muss? Klar, er war teuer, damit wird gerne geprahlt, und teuer heist ja auch gut, oder?

Alles läuft jedesmal darauf hinaus, dass wir mehr und mehr konsumieren sollen. Aussehen, Image und Unterhaltung, dass sind die Ziele unserer Existenz. Alles andere ordnet sich diesen drei Zielen unter. Aber warum müssen wir denn da eigendlich mitspielen?

Urheberrechte werden doch nur verletzt, weil in uns solche Bedürfnisse nach diesen Dingen, stofflich oder nicht, geweckt werden und diese Dinge aber eigendlich unnötig sind. Wären sie nämlich wirklich existentiell notwendig, würden wir doch anders handeln und keine Risiken eingehen (es existiert ja immer ein Risiko, wenn wir Gesetze brechen).

Die Lösungs-Idee ist also leicht skizziert:

  • Keine kanalisierten Medien mehr und möglichst viele Quellen
  • Minimalismus (weniger Bedürfnisse bedeutet mehr Freiheit)
  • Konsum-Boykott (nicht konsumieren, do it yourself)
  • Freie Quellen benutzen und erweitern

Mir ist natürlich klar, dass dieses Konzept diverse Lücken hat und nur bedingt auf jeden übertragbar ist. Ich weiß nicht einmal, ob das für mich der richtige Weg ist:-) Feedback ist also dringend erwünscht …

2 Responses to “Es lebe das Copyright! Auf zu striktem DRM!”

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  1. a gravatar From danny:

    In eine andere Richtung weiter gedacht könnte uns Konsumverzicht und eine steigende Anzahl freier Quellen den Übergang in die Freizeitgesellschaft etwas leichter machen (Kostenreduzierung). Und sollte diese Freizeitgesellschaft, in der wir nicht mehr für unsere Arbeit entlohnt würden, einmal Wirklichkeit werden, gäbe es auch ausreichend Leute, die diese freien Quellen aufbauen und erweitern könnten. Welch heile Welt ;-)

    Telepolis: Arbeit, Arbeit über alles

  2. a gravatar From =H=:

    … PRAY … THE … MONEY …

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